„Ich bin kein Ein-Mann-Team“ – Wer ist Tobias Estorer?

Vor drei Jahren übernahm Tobias Estorer die Pflegedienstleitung von VigeoCare. Und vor drei Jahren setzte der heute 31-Jährige für Mitarbeiter, Klienten und das Unternehmen neue Maßstäbe. Seitdem hat sich die Mitarbeiteranzahl von 34 auf 133 erhöht. Aus fünf Klienten wurden 26 – und keiner dieser Klienten hat seitdem den Pflegedienst gewechselt.

Sein Berufsweg

Als Sohn eines Maurers und einer Krankenschwester war für Tobias Estorer schnell klar, dass er in Richtung Soziales gehen wollte. Nachdem er einen Berufsweg als Kindergärtner schnell verworfen hatte, wollte er sich als Altenpfleger beweisen. „Man hat mir dann aber empfohlen, Krankenpfleger zu werden, da dort die Berufsmöglichkeiten vielfältiger sind“, erklärt der Erkelenzer. Nach seiner Ausbildung im Krankenhaus arbeitete er zwei Jahre bei bipG, bis er dort zum Pflegekoordinator gefördert wurde. Von da an war er zwei weitere Jahre für die bipG beschäftigt, arbeitete in ganz Deutschland, da wo man ihn brauchte. „Als das Pendeln nicht mehr mit der Familie vereinbar war, wechselte ich als Krankenpfleger in eine psychiatrische Klinik“, erzählt der Vater eines zwölfjährigen Jungens. Vermutlich würde er da heute noch arbeiten, hätte VigeoCare ihm kein Angebot als Pflegedienstleiter gemacht. „Es hat mich einfach gereizt, dass ich den Pflegedienst eigenständig gestalten darf“, erklärt er seine Entscheidung. Doch mit dem neuen Job kommt auch eine Herausforderung. „Ich hatte kaum Erfahrung und habe mir das Meiste selbst beigebracht“, so Estorer. Doch der schnelle Klienten- sowie Mitarbeiteranstieg zeigt, dass seine Arbeit fruchtet.

Umgang mit den Mitarbeitern

Allerdings beruht der Erfolg des 31-Jährigen nicht auf einer skrupellosen Personalführung oder inhaltslosen Versprechen. Ganz im Gegenteil: Der Pflegedienstleiter setzt vor allem auf ein offenes Ohr und auf „knochentrockene“ Ehrlichkeit, wie er sagt. „Von manchen Vorgesetzten kannte ich es, dass sie nie zu erreichen waren oder einen Monat auf einen Termin mit ihnen warten musste. So wollte ich nicht sein“ erzählt Estorer. Er ist 24 Stunden erreichbar und hat immer einen Plan B und, falls nötig, auch einen Plan C parat. Ihm ist es wichtig, dass Mitarbeiter und Klienten sich aufgefangen fühlen. „Wenn es nicht anders geht, springe ich auch selbst ein“, sagt er. Übernimmt jemand für einen Kollegen ungeplant die Schicht, wird dies auch ausreichend wertgeschätzt. „Die Mitarbeiter haben ein Mitspracherecht, auch bei den Dienstplänen. Sollte mal etwas nicht so laufen wie geplant, finden wir schon eine Lösung“, so der Pflegedienstleiter. Das schätzen seine Mitarbeiter an ihm und letztendlich, kommt dies den Klienten zugute.

Ideale Rahmenbedingungen für Mitarbeiter und Klienten

Auch bei denen ist Tobias Estorer sehr beliebt. Er trifft jeden potenziellen neuen Klienten persönlich und macht sich ein Bild von dem Menschen und der Situation vor Ort. Außerdem „gaukelt“ er weder seinen Klienten noch seinen Mitarbeitern etwas vor, sondern ist immer ehrlich zu ihnen. Auch das kommt gut an. „Die psychosozialen Faktoren spielen da eine große Rolle“, sagt er. Er höre bei Entscheidungen vor allem auf sein Bauchgefühl. „Das Ziel ist es, für Mitarbeiter und Klienten die idealen Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Schon bei Bewerbungsgesprächen versucht er deshalb schon, den potenziellen neuen Mitarbeiter einem Klienten zuzuordnen. Dabei sind nicht nur Charakterzüge der beiden Parteien wichtig. Auch auf den ersten Blick unscheinbare Punkte zählen hier: Hat der Mitarbeiter eine Tierhaarallergie? Ist er Raucher? Oder Familienvater? Viele Faktoren spielen da zusammen. „Es ist wie ein Puzzle. Wer passt mit wem zusammen“, erklärt der gelernte Krankenpfleger.

Organisation und Planung ist entscheidend

Dabei muss Tobias Estorer nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter und Klienten gewährleisten können, sondern auch noch die wirtschaftlichen Aspekte mit einbeziehen. „Das ist ziemlich komplex“, verrät er. Ob ihm die Arbeit als Krankenpfleger fehle: „Ich habe für mich gelernt, dass ich durch die Organisation im Endeffekt viel mehr Menschen helfe, als wenn ich sie pflegen würde.“ Die Arbeit als Pflegedienstleiter sei zwar anstrengend, aber „ich bin ja kein Ein-Mann-Team. Das ist alles Gemeinschaftsarbeit.“ Und das macht nicht Tobias Estorer froh, sondern auch seine Mitarbeiter und Klienten.